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Ruhe- Rückzugsraum

Unser Ruhe- Rückzugsraum!

Unser Ruhe- Rückzugsraum bietet den Schülerinnen und Schülern verschiedene Möglichkeiten. Zum einen können es sich einige Schüler zum Lesen auf der bequemen Lesetreppe gemütlich machen und ihre Lektüre in Ruhe genießen. Zum anderen dienen einige Wandspiele der Förderung der visuellen Wahrnehmung, der Feinmotorik, der Konzentration, der Geschicklichkeit usw.

Aber auch als Snoezel-Raum wird er benutzt!
Was ist eigentlich Snoezeln ?

SNOEZELEN
Snoezelen ist ein Konzept, das in der Arbeit mit schwerst-mehrfach behinderten Menschen in den
Niederlanden entwickelt wurde. Beim Snoezelen handelt es sich nicht um eine Form der Therapie oder
ein Förderkonzept. Vielmehr stellt das Snoezelen ursprünglich ein Freizeitangebot für Menschen mit
schweren Behinderungen dar.
Das Wort Snoezelen setzt sich aus den niederländischen Worten „ snuffelen“, deutsch, schnüffeln,
schnuppern, und „doezelen“, was soviel heißt wie dösen und schlummern zusammen. Zudem erinnert
der Begriff an das englische Wort „to snooze“ für dösen.

Theoretische Aspekte des Snoezelens

Analysiert man, wie Menschen sozusagen „funktionieren“, kommen vier Aspekte zum Vorschein: Der
Mensch ist ein Lebewesen, das mit Hilfe seiner Sinne wahrnehmen kann, er besitzt die Fähigkeit zu
denken, er hat Gefühle und er kann handeln. Diese vier Funktionsbereiche hängen eng miteinander
zusammen und beeinflussen sich gegenseitig.
Dabei spielt unsere Wahrnehmung eine entscheidende Rolle. Mit unseren Sinnen nehmen wir unsere
Umwelt wahr und gestalten sie dementsprechend. Jede Sekunde trifft eine Vielzahl von Sinnesreizen
auf uns ein, die wir durch unsere Sinneswerkzeuge registrieren. Diese Informationsflut verarbeiten wir
mit Hilfe unseres Gehirns. Dem gesunden Menschen gelingt es dabei, alle eintreffenden Reize zu
filtern. So können wir einerseits aus der Menge von Reizen, die permanent auf uns eintreffen diejenigen
herausfiltern, die für uns bedeutsam sind und die unsere Handeln oder unsere Gefühle bedingen,
andererseits schafft es unser Gehirn, unwichtige Stimuli „beiseite“ zu schieben. So spüren wir
beispielsweise nicht permanent den Druck, den unsere Kleidung auf unseren Körper ausübt, während
eines Gesprächs fallen störende Geräusche in den Hintergrund und wir können unserem Gegenüber
zuhören, auch wenn andere Leute sich im Raum unterhalten, in unserem Blickfeld erscheinende,
fliegende Vögel registrieren wir nur nebenbei, wenn sich unser Blick auf andere Dinge konzentriert,…
Ohne diese Filterfunktion des Gehirns wären wir ständig einer Reizüberflutung ausgesetzt, durch die es
uns kaum möglich wäre, unsere Umwelt und unser Leben entsprechend zu gestalten – wir würden in
einem „sensorischen Chaos“ leben.
Menschen mit einer schweren Mehrfachbehinderung sind aufgrund ihrer vielfältigen Beeinträchtigungen
oftmals nicht in der Lage, Reize aus der Umwelt, die auf sie eintreffen entsprechend einzuordnen, daher
trifft die Flut von Außenreizen oftmals ungefiltert auf sie ein. Aufgrund körperlicher Beeinträchtigung ist
es diesem Personenkreis oftmals nicht möglich unangenehmen, schädlichen Reizen auszuweichen, so
wie wir es können, wenn uns beispielsweise ein Radio zu laut, das Stimmengewirr im Hintergrund zu
unruhig, das Badewasser zu kalt ist oder die Sonne uns ins Gesicht blendet. Da dem Menschen mit
schwerster Behinderung der übliche Reizfilter fehlt, muss ihm eine strukturierte Reizumwelt angeboten
werden.
Vor diesem Hintergrund wurde das Konzept des Snoezelens als Freizeitangebot, bei dem Menschen
mit schwerer Behinderung ruhig werden und zu sich selbst finden können, entwickelt.
Übertragung des Konzepts in den Alltag von Kindergärten und Schulen
Im Laufe der Zeit konnte festgestellt werden, dass Snoezelen nicht nur ausschließlich auf Menschen mit
schweren Behinderungen positiven Einfluss hat. Vielmehr nimmt das Konzept heute immer mehr Einzug
in Schulen, Kindertagestätten, ect. So findet man heute in vielen Einrichtungen speziell eingerichtete
Snoezelräume.
Kinder wachsen heute zunehmend in einer Umwelt auf, die einerseits ärmer ist an primären, deutlichen
Reizen, in anderen Bereichen jedoch eine Reizüberflutung bietet. Der taktile Sinn ist unser wichtigster
Sinn. Der Tastsinn gibt uns ein Bild von Formen und Zuständen und ermöglicht es uns, uns in der Welt
zu bewegen. In unserer Kultur ist der Tastsinn gewissermaßen in den Hintergrund gedrängt worden, die
visuelle Wahrnehmung hat die Überhand gewonnen. Wir finden heute ein starkes Übergewicht
zugunsten der visuellen Wahrnehmung auf Kosten der anderen Sinneskanäle. (TV, Medien, Computer)
Durch neue Medien treffen vielfältige Reize auf Kinder ein, die zu filtern oder zu sortieren sie oftmals
nicht in der Lage sind. Dadurch tritt nicht selten eine Überforderung ein.
Das Bild, das ich von der Welt um mich habe, wird bestimmt von meiner Beweglichkeit. Kinder die
immer seltener draußen spielen, toben, springen, auf Bäume klettern, die Natur in allen Facetten
erleben, können ihrer Erlebniswelt weniger Erfahrungen hinzufügen. So haben viele Kinder Probleme in
der Motorik, in ihren Bewegungen und in ihren Empfindungen, was Berührungen angeht.
Kinder tun sich oftmals schwer, sich auf einzelne isolierte Stimuli zu konzentrieren. Sie sind es gewohnt,
dass Bilder sich bewegen, Geräusche erzeugen – das etwas passiert. Der Focus auf einen einzelnen
Reiz, ein Bild, einen Klang, einen Duft erscheint dabei oft langweilig und öde.
Insofern ist es auch bei der Arbeit mit Kindern von Bedeutung, ihnen Reize zu bieten, die ihre Sinne in
der Tiefe ansprechen, um ihnen dadurch Erfahrungen zu ermöglichen, die ihnen sonst verwehrt bleiben.
Dabei ist es wichtig zu lernen, sich auf einen Reiz zu konzentrieren, ihn deutlich zu zuzulassen,
wahrzunehmen und zu genießen.
Was bedeutet Snoezelen
Unter Snoezelen versteht man das bewusst ausgewählte Anbieten primärer Reize in einer angenehmen
Atmosphäre.
Dazu ist eine Umgebung notwendig, in der – anders als im Alltag – die Sinne nicht Komplex
angesprochen werden, sondern in der man sich auf einzelne Sinneskanäle, z.B. auf das Tasten,
konzentrieren kann.
Die Sinne sollen als nicht in der Breite sondern in der Tiefe angesprochen werden. Um dies zu
ermöglichen wird versucht, Reize in speziellen Räumen selektiv anzubieten und gleichzeitig unnötige
Reize zu selektieren. Das Reizangebot soll dabei so ausgelegt sein, dass dem Nutzer eines
Snoezelraums angenehme, Sinneswahrnehmungen ermöglicht werden und ihm darüber hinaus
besondere Erfahrungen geboten werden.
In der Regel findet das Snoezelen in speziell dafür eingerichteten Snoezelräumen bzw. Ruheräumen
statt. Um einzelne Sinne gezielt ansprechen zu können ist es notwendig, dass die Räume möglichst
reizarm eingerichtet und abdunkelbar sind. Nur so ist es möglich, ein einziges Sinnesorgan
anzusprechen, ohne dass irgendwelche anderen Reize ablenkend und störend wirken. Wichtig ist, dass
der Raum warm ist, dass er die Möglichkeit bietet, es sich bequem zu machen und dass der Raum
insgesamt eine angenehme Atmosphäre ausstrahlt.
Die Anzahl der Kinder, die Gruppenstärke und die Dauer des Aufenthaltes können variieren. Mann kann
mit einzelnen Kindern den Snoezelraum besuchen, dies aber auch mit einer Kleingruppe tun.
Snoezelen bedeutet immer auch, sich einzulassen, loszulassen. Oftmals muss dies erst gelernt werden.
Einigen Kindern fällt es zunächst schwer, sich auf das Angebot einzulassen, dennoch finden sie aber
nach mehrmaligem Besuch des Raumes zunehmend Gefallen. Andere Kinder kommen spontan zur
Ruhe und lassen sich auf das Reizangebot ein, genießen und finden eigene Zugangswege.
Ein sehr bedeutsamer Ansatz beim Snoezelen ist der Leitspruch: Nichts muss, alles ist möglich. Das
besagt, dass Kinder selbst eigene Zugangsweisen zu den einzelnen Reizen entwickeln können und
sollen. So kommt es vor, dass einige Kinder das Farbenspiel des Projektors an der Wand still
beobachten, andere die Farben mit den Händen verfolgen, wieder andere die Wärme, die der Projektor
erzeugt fühlen wollen. Kein Kind, dem ein bestimmter Reiz, eine Situation unangenehm ist muss in der
Situation verweilen.
Die entsprechenden Reize können nun ausgelöst werden, indem man ganz einfache Dinge in den
Raum mitbringt (beispielsweise Sand, Duftöle, Naturmaterialien, Klanggeräte, Massagegeräte,…)
Demgegenüber versetzt uns die Technik in die Lage, eine Anzahl von Situationen zu schaffen, in denen
spezielle Reize gezielt angeboten werden können. Dabei können verschiedenste technische Geräte
installiert werden, die dann gezielt und punktuell eingesetzt werden können. Wichtig ist dabei zu
beachten, Reizquellen nur punktuell einzusetzen, um dem Konzept der Reizarmut und dem gezielten
Einsatz gerecht zu werden.
Im Folgenden sollen zur Verdeutlichung einige technische Medien aufgeführt werden. Der Auswahl und
dem Preis sind dabei nach oben keine Grenzen gesetzt. Die Geräte werden i.d.R. von verschiedenen
Ausstattern für Reha- und Therapieeinrichtungen, sowie pädagogischen Zentren vertrieben. Dazu muss
gesagt werden, dass es im Sinne des Konzeptes nicht zwingend notwendig ist, den Snoezelraum mit
allen erdenklichen Geräten zu überfrachten. Zudem können viele Snoezelmaterialien auch selbst
hergestellt werden.
Medien zur visuellen Wahrnehmung
• Spiegelkugel
• Verschiedene Projektionsarten:
o Plasmaprojektoren
o Lavalampen
• Wassersäulen, die die Farbe wechseln
• Leuchtvorhänge
• Lichterketten- und Schläuche
• Seifenblasen
Medien zur auditiven Wahrnehmung
• CDs mit Entspannungsmusik
• CDs mit Geräuschen
• Geräuschquellen aus verschiedenen Richtungen installieren
• Instrumente, um selbst Klänge zu erzeugen
• Bodenxylophon
• Mikrofone, Echogeräte
• Geräte, die Geräusche mit Lichteffekten kombinieren
Medien zur taktilen Wahrnehmung
• verschiedenen Bodenbeläge
• Tastwände
• Fühlkisten
• Kissen, mit unterschiedlicher Füllung
• Bällchenbad
• Ventilator/ Windschläuche
Medien zum Riechen
• Duftöle
• Duftlampen
• Duftschlauchständer, die Warme Luft kombiniert mit Düften abgeben
• Duftkissen